{"id":118,"date":"2022-10-14T08:52:55","date_gmt":"2022-10-14T08:52:55","guid":{"rendered":"https:\/\/beartmazed.online\/?p=118"},"modified":"2022-10-14T08:52:55","modified_gmt":"2022-10-14T08:52:55","slug":"black-label-shopping-im-vollsortimenter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/beartmazed.com\/en\/black-label-shopping-im-vollsortimenter\/","title":{"rendered":"Black Label Shopping im Vollsortimenter"},"content":{"rendered":"<p id=\"viewer-foo\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">Ein erster kunstvoller Blick<\/span><\/p>\n<p id=\"viewer-f4pul\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">Gern schlendere ich durch die M\u00fcnchner F\u00fcnf H\u00f6fe, das elegante Stadtquartier von Herzog &amp; de Meuron. Es ist Samstag fr\u00fch im Monat f\u00fcnf des Pandemie-Lockdowns. Nur wenig Flaneure streifen mit mir durch die Passage, als die Dauermieter gr\u00fc\u00dfen: Thierry Mugler residiert \u2013 Corona sei Dank \u2013 seit \u00fcber einem Jahr in den S\u00e4len der Kunsthalle. Ein paar Schritte weiter ulkt Alberto Alessi unverdrossen zuverl\u00e4ssig auf seiner Schaufensterb\u00fchne, w\u00e4hrend schr\u00e4g gegen\u00fcber Giorgio Armani wieder einmal mit stoischer Grandezza die imagin\u00e4re Biscotti-Kr\u00fcmel von seinen verwaisten Caff\u00e8-Tischen wischt. <\/span><\/p>\n<p id=\"viewer-6qdto\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">Heute empfinde ich auf meinem Weg zum Supermarkt eine gewisse Vorfreude. Au\u00dfergew\u00f6hnlich! Normalerweise ist der Gang zum Vollsortimenter l\u00e4stige Routine. Das Einsammeln bekannter Lebensmittel erfolgt im geistigen Stand-By innerhalb der Komfortzone meines etablierten Food-Radiuses. Doch heute ist etwas anders. Heute schl\u00fcpfe ich in die Rolle des Black Label Shoppers. Denn es geht um wertvolle Einzelst\u00fccke, Luxusartikel, Kunst-Unikate, die mit kleinen schwarzen Bild-Schildchen gekennzeichnet worden sind. Eine Warenwelt wundervoll durchzogen von frischer hoher Kunst. Das wird ein Spa\u00df! Der Erlebnish\u00f6hepunkt liegt allerdings ziemlich tief. Rein r\u00e4umlich gesehen. Black Label Shopper tummeln sich gern in h\u00f6heren Sph\u00e4ren. Bei Saks Fifth Avenue beispielsweise gilt der der Third Floor als bevorzugtes Pirschgebiet. In M\u00fcnchen geht\u2019s zum Black Label Shopping direkt ins Souterrain: Unter der gewaltigen \u201eSphere\u201c von Olafur Eliasson hindurchgeduckt gleich links hinab in die verhei\u00dfungsvolle feinsinnige Welt von REWE Premium. <\/span><\/p>\n<p id=\"viewer-86l59\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">Eigentlich alles chic wie immer\u2026 Doch schon im ersten Ganz des Regalspaliers, eingekeilt zwischen S\u00fc\u00dfwaren und Eistee, t\u00fcrmt sich eine un\u00fcberwindbare Barriere. <\/span><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/static.wixstatic.com\/media\/c4a547_a4a8b597642e4051b2a5bfab15135242~mv2.jpg\/v1\/fill\/w_1480,h_1480,al_c,q_90,usm_0.66_1.00_0.01,enc_auto\/c4a547_a4a8b597642e4051b2a5bfab15135242~mv2.jpg\" \/><\/p>\n<p id=\"viewer-fk2mo\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">541 Packungen Prinzenrolle blockieren meterhoch den Durchgang. Selbst den Sockellichtstreifen der Regale hat Thomas Rentmeister mit seiner Installation gekappt. Bis hierher und nicht weiter! Das Angehaltenwerden wird rasch zum freiwilligen Innehalten, die Zumutung wird anmutig. Der K\u00fcnstler versteht es, ein industriell gefertigtes Massenprodukt derart repetitiv zu stapeln und raumgreifend zu positionieren, dass ein Meisterst\u00fcck des zeitgen\u00f6ssischen Minimalismus daraus entsteht. Die kakaocremegef\u00fcllte Installation hat keine Schokoladenseite, vielmehr zwei vollkommen eigenst\u00e4ndige Schauseiten, je nachdem, ob man die Standb\u00f6den oder Oberseiten der Prinzenrollen ins Visier nimmt. Dank der \u00fcberlappenden Umschlagfalzen wirken die B\u00f6den wabenartig luftig, w\u00e4hrend die Oberseiten zu einer monochrome blaue Wand verschmelzen. <\/span><\/p>\n<p id=\"viewer-hgs4\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">Wie essen Sie eigentlich Ihren Doppelkeks? Vertilgen Sie ihn h\u00e4lftig mit gewaltigem Haps? Oder knabbern Sie gen\u00fc\u00dflich den \u00fcberstehenden Keksrand rundherum ab? Oder drehen Sie gar die H\u00e4lften auseinander, um die mit den anhaftenden Kakaotaler zu einem Double-fill-Sandwich zusammenzupressen? Rentmeisters Sackgasse bewirkt Erstaunliches: Wo sonst die Kleinen quengeln, entspinnen Erwachsene kulinarische Fachgespr\u00e4che. Konstant hohes Niveau gibt es auch beim Preis. Trotz augenzwinkernden Mengenrabatts \u2013 10% Discount ab 5 qm \u2013 wird hier nichts verschenkt. Also: Rolle r\u00fcckw\u00e4rts, und weiter geht\u2019s! Nach dem S\u00fc\u00dfen zieht es mich zum Frischen. <\/span><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/static.wixstatic.com\/media\/c4a547_10b672314fb0467c84fc5abab2e0625b~mv2.jpg\/v1\/fill\/w_1480,h_1480,al_c,q_90,usm_0.66_1.00_0.01,enc_auto\/c4a547_10b672314fb0467c84fc5abab2e0625b~mv2.jpg\" \/><\/p>\n<p id=\"viewer-aqk2j\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">Vereinzelung in der Obstabteilung ist man gewohnt: Besondere Prachtexemplare der Angebotssorten werden mit \u201eFlugware\u201c-Aufklebern geadelt, behutsam auf rautenf\u00f6rmige Schaumstoffnetze gebettet oder gelegentlich in raschelndes Seidenpapier eingeschlagen. Eine Wassermelone unter einer Plexiglashaube, verschraubt mit dem Regalfach und versehen mit dem Hinweis \u201eBitte nicht anfassen\u201c, ist selbst mir noch nicht untergekommen. Auch die Sorte ist neu: \u201eMars-Melone\u201c zeigt das Black Label Schildchen. Gemessen am 56 Mio. Kilometer langen Transportweg vom roten Planeten zur Erde scheint diese gr\u00fcne Melone mit 16.000 EUR das St\u00fcck recht g\u00fcnstig ausgepreist. <\/span><\/p>\n<p id=\"viewer-7e92k\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">Geschaffen hat sie Alicja Kwade, Fixstern am zeitgen\u00f6ssischen Kunst-Firmament. Und Planeten sind ihr Ding. Den Himmel materialisiert Kwade schon mal mit strahlend blauem Quarzit auf dem Biennale-Kunstweg im holl\u00e4ndischen Drenthe, bevor sie auf dem Dach des New Yorker Metropolitan Museums ein ganzen Planetensystem installiert. Hier nun ihre Mars-Melone. Herrlich aktuell, denn genau jetzt arbeitet sich der NASA-Rover \u201ePerseverance\u201c mit seinem Heli durch den Staub des Jezero-Krater, einem trockengefallenen See auf dem Mars. Wasser ist mit das kostbarste Gut im All. Schon auf der ISS wird jeder Tropfen, der beim Z\u00e4hneputzen ausgespuckt wird und beim Duschen \u00fcbrigbleibt oder durch Schwei\u00df und Urin anf\u00e4llt, aufgefangen und aufbereitet. Eine Wassermelone mit 95% Wasseranteil im Fruchtfleisch erscheint da wie ein Geschenk des Himmels! Dem rastlosen, (see)reisenden Menschen ist sie seit einem halben Jahrtausend ein bew\u00e4hrter Fl\u00fcssigkeitsspender. Warum nicht auch f\u00fcr Astronauten? Im All werden bereits Gurken, Tomaten, R\u00f6mersalat, Paprika und Erdbeeren gez\u00fcchtet. Vielleicht schon bald echte Mars-Melonen? Wer Kwades Exemplar in Preis und Gewicht (solider Bronzegu\u00df) astronomisch findet, greift links daneben: Hier ist eine Mini-Wassermelone aus Costa Rica f\u00fcr bodenst\u00e4ndige 3,49 EUR das St\u00fcck zu erwerben. Ebenfalls Klasse 1. <\/span><\/p>\n<p id=\"viewer-1fe4g\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">Entz\u00fcckt bummle ich am Gem\u00fcseregal entlang weiter zur \u201eGastro to go.\u201c \u2013 \u201eAloha; was haben wir denn hier?\u201c, fl\u00fcstere ich erstaunt. Anstelle appetitlichen Gedr\u00e4nges vieler herzhafter Snacks herrscht in der Auslage der Hei\u00dftheke abgezirkelter Abstand: Sieben schmelzende Toast-Hawaii verharren in gro\u00dfz\u00fcgiger Entfernung voneinander und formen auf schwarzem Metall ein k\u00e4segoldenes \u201eH\u201c. Mittelstrich \u2013 Mittelst\u00fcck des Buchstabens bildet Chris Knechts t\u00e4uschend echt gearbeitete Skulptur des \u00fcberbackenen Sandwiches mit hervorlugender Schinkenscheibe. \u201e\u00d6l auf Bronze\u201c, konstatiert das Black Label Schildchen. Die Kombination von Edelmetall und Fleischscheibe hat erst seit kurzem einen Beigeschmack: Seinerzeit verbrannte sich in Dubai ein Bayern-Fu\u00dfballstar an einem Blattgold-Steak geh\u00f6rig die Finger. Da war Knechts bronzener Toast Hawaii schon acht Jahre servierfertig und in den Kanon der Koch-Kunst aufgenommen. <\/span><\/p>\n<p id=\"viewer-8bop3\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">Selbst die Ananas allein ist jedes Kunstwerks w\u00fcrdig. Seit dem 17. Jahrhundert ist sie ein Statussymbol. Kolumbus bekam Prachtst\u00fcck geschenkt, und nach Atlantikquerung derselben versuchten sich etliche europ\u00e4ische Adelsh\u00e4user im komplizierten Anbau. Da dieser nur h\u00f6chst selten gelang, war sie die so teuer wie eine Kutsche. Zum Beeindrucken seiner G\u00e4ste konnte man sich eine Ananas als Tischschmuck tageweise mieten \u2013 \u00e4hnlich wie heutzutage ein Diamantcollier zur Met-Gala in New York. Die s\u00fcndhaft teure Mietfrucht auf dem Festbankett wurde nie gegessen. <\/span><\/p>\n<p id=\"viewer-foqaq\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">Um Ananas zu einem Alltagsprodukt zu machen, brauchte es einen 22 Jahre jungen Harvard-Absolventen. Der gr\u00fcndete 1901 das Frucht-Start-Up Dole auf Hawaii und nutzte eine Sch\u00e4lmaschine, die 85 Ananas pro Minute auf Dosenformat trimmte. Der Toast Hawaii lag in Reichweite. Dosenananas exportiert heute die thail\u00e4ndische Region Pranburi. Aus Hawaii kommen nur noch die gleichnamigen Hemden mit dem farbenfrohen gro\u00df-gemusterten Print. Elvis Presley machte sie Anfang der 1960er Jahre in Deutschland popul\u00e4r. Der Toast Hawaii war da schon seit mehr als f\u00fcnf Jahren in aller Munde. Doch dem King schmeckte ein anderer fruchtig-herzhafter Grill-Sandwich besser: Elvis Presely liebte den \u201eFool\u2019s Gold Loaf\u201c: Bananenscheiben und knusprigen Speck lagen auf einem dick mit Peanut-Butter bestrichenen Sauerteigbrot. <\/span><\/p>\n<p id=\"viewer-275d5\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">Der Teig f\u00fcr eben jenes Brot lagert eine Ecke weiter im Getr\u00e4nke-K\u00fchlregal. Zwischen elegant hochgewachsenen Champagnerflaschen aus den ehrw\u00fcrdigen Grandes Maisons Pommery, Mo\u00ebt, Veuve Cliquot und Ruinart hockt grobschl\u00e4chtig im breiten Weck-Glas Peter Langenhahns blass aufgequollene Roggensauerteig.<\/span><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/static.wixstatic.com\/media\/c4a547_20420e98308d485ca87fcbc3d8f1dbc6~mv2.jpg\/v1\/fill\/w_1480,h_1480,al_c,q_90,usm_0.66_1.00_0.01,enc_auto\/c4a547_20420e98308d485ca87fcbc3d8f1dbc6~mv2.jpg\" \/><\/p>\n<p id=\"viewer-4qhpr\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">Und doch teilen beide Nahrungsmittel, die \u00e4u\u00dferlich unterschiedlicher nicht sein k\u00f6nnten, den gleichen Treibstoff: Hefepilze. Sie sind es, die moussieren und fermentieren, die f\u00fcr Perlen im Glas und Poren in der Krume sorgen und das Aroma tragen. Neben aller wohlwollend ausgewogenen Wertsch\u00e4tzung g\u00e4rt dennoch der Reflex zum Werturteil. Wie kann man einen so plumpen Teigbatz nur zu so feiner Gesellschaft stellen? Roggensauerteig in diesem Vergleich als \u201eHochkultur\u201c zu titulieren? Ich bitte Sie! Leise bemerke ich eine faszinierende Umwertung. Ist in allem \u00dcberflu\u00df der sch\u00f6nen Flaschen und verschwenderischen Perlage nicht das einfache, handgemachte Brot der wahre Luxus? Ich mag mich nicht entscheiden und freue mich einfach an der inspirierenden Platzierung des Werks. <\/span><\/p>\n<p id=\"viewer-14mf\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">Ein Bummel entlang der Sushi-Bar bringt ich zur K\u00e4setheke. Auf der Glashaube derselben <\/span><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">erwartet mich eine Rarit\u00e4t: \u201eLa Vache quir rit\u201c, franz\u00f6sischer Schmelzk\u00e4se \u2013 72 Monate gereift. Das seit einem guten halben Jahrzehnt \u00fcberschrittene Mindesthaltbarkeitsdatum <\/span><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">l\u00e4\u00dft den Black-Label-Vermerk \u201eunverk\u00e4uflich\u201c als f\u00fcrsorglichen Gesundheitshinweis erscheinen. Ein wenig neidisch bin ich schon auf den gener\u00f6sen Besitzer und Leihgeber dieser exquisiten Arbeit von Thomas Bayrle. Der Piktogramm-Virtuose zeichnet im eingef\u00e4rbten All-Over-Muster des grinsenden Huftiers ein Frauenkopf nach \u2013 angeblich das M\u00e4dchen vom Lande, das ins gro\u00dfe Paris kommt. <\/span><\/p>\n<div data-hook=\"rcv-block31\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/static.wixstatic.com\/media\/c4a547_21f8606df3404a8ba010ed7020e09d27~mv2.jpg\/v1\/fill\/w_1480,h_1480,al_c,q_90,usm_0.66_1.00_0.01,enc_auto\/c4a547_21f8606df3404a8ba010ed7020e09d27~mv2.jpg\" \/><\/div>\n<div data-hook=\"rcv-block31\">\n<p id=\"viewer-239st\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">630 M\u00e4dchenkopf-K\u00e4seschachteln hat Bayrle f\u00fcr den Hersteller Bel gefertigt, der seit 2014 zeitgen\u00f6ssische K\u00fcnstler Verpackungen in limitierten Editionen veredeln l\u00e4\u00dft. Diese Sammlerst\u00fccke von Bayrle, Hans-Peter Feldmann, Jonathan Monk, Wim Delvoye, Karin Sander, Daniel Buren und \u2013 aktuell \u2013 Mel Bochner kann man zum regul\u00e4ren Preis im westlich des Bois de Boulogne gelegenen Lab Bel, im Online-Shop und in ausgew\u00e4hlten E.Leclerc-M\u00e4rkten kaufen. Nur leider hier und heute im REWE nicht \u2013 da \u201eunverk\u00e4uflich\u201c. Wirklich Leider. Und irgendwie erleichternd \u2013 denn wie h\u00e4tte ich mich beim Kauf eines frischen Bayrle entscheiden sollen? H\u00e4tte ich das Gesamtwerk mit K\u00e4se bewahrt? Oder den Inhalt verspeist, und eine leergefutterte Editionsschachtel in die Vitrine gestellt? Die zweite Wahl scheint zumindest olfaktorisch ein zufriedenstellendes Langzeitergebnis zu liefern. <\/span><\/p>\n<p id=\"viewer-llaf\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">Apropos Frankreich und K\u00e4se: In Pandemie-Zeiten ist der K\u00e4se-Konsum unserer westlichen Nachbarn nicht merklich gestiegen. Wohl aber\u2013 so kolportierte es die Presse vor gut einem Jahr \u2013 zogen in Frankreich der Verbrauch von Rotwein und Pr\u00e4servativen merklich an. Die Interessen in der Bundesrepublik waren weit weniger wildromantisch. Wir nahmen die Ansage nach sozialer Distanz ernst und zogen uns \u2013 gedanklich \u2013 bis in den hintersten Winkel unser eigenen Wohnungen zur\u00fcck, ganz weit, allein aufs stille \u00d6rtchen. Folgerichtig brauchten wir f\u00fcr die imaginierten Monate totaler Selbstisolation auf dem Wasserklosett ausreichende Mengen Klopapier. \u201eV\u00f6llig von der Rolle\u201c besp\u00f6ttelte die FAZ Anfang M\u00e4rz 2020 unsere Hamsterk\u00e4ufe nach dem begehrten Gut. Wir trieben die Nachfrage nach samtweicher Abroll-Perforation um 70% in die H\u00f6he, so da\u00df wir wochenlang vor leeren Toilettenpapierregalen standen und Nachlieferungen streng rationiert wurden. Eine heikle Hakle-Situation. R\u00fcckblickend wirkt diese Sturm-und-Drang-Phase deutlich \u00fcberreizt. <\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"viewer-a317h\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/static.wixstatic.com\/media\/c4a547_c9632cc95b6a4c5c900c5f554588e54c~mv2.jpg\/v1\/fill\/w_1480,h_1480,al_c,q_90,usm_0.66_1.00_0.01,enc_auto\/c4a547_c9632cc95b6a4c5c900c5f554588e54c~mv2.jpg\" \/><\/div>\n<div>\n<p id=\"viewer-7ohae\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">Umso sch\u00f6ner ist die kunstvolle Vergangenheitsbew\u00e4ltigung, die uns Esther Zahel mit Ihrer phantastischen Assemblage im Hygieneartikelbereich offeriert. Neun geheimnisvoll durchgef\u00e4rbte Toilettenpapierrollen funkeln auf Augenh\u00f6he, davor drei Rollen zum direkten Herunterspulen, Abrei\u00dfen und \u2013 Falten. Nur nicht kn\u00fcllen! Denn auf jedes Dreilagenblatt legt die K\u00fcnstlerin ein tiefsinniges Textgitter: \u201eDas Universum in einer Klorolle.\u201c Insgesamt sechs Bl\u00e4tter brauche ich, um die drei Kapitel vom \u201eIrrelevanten\u201c bis zum \u201eW\u00e4chter des Orakels\u201c vollst\u00e4ndig lesen und intellektuell verdauen zu k\u00f6nnen. Sechs Bl\u00e4tter \u2013 zwooosch, abgerissen. Ist das schon Hamstern? <\/span><\/p>\n<p id=\"viewer-b6vdj\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">Vers\u00f6hnt mit allen Facetten des Seins und kunstinspiriert bis hinauf in die Haarspitzen eile ich federnden Schritts zur Kasse. \u201eConsommer ou mourir\u201c, donnert mir das kantige Trio der Warentrenner auf dem Kassenband entgegen. \u201eHerrje\u201c, murmle ich und lese das dahinter aufgepflanzte Schild \u201eDiese Kasse ist gerade geschlossen\u201c. Diese Sackgasse wird mir doch ein wenig zu existenzialistisch, und so dr\u00e4ngle ich munter ans benachbarte Band. Auch hier war Milen Till flei\u00dfig und zitiert Barbara Kruger\u2019s weltber\u00fchmten \u201eTruisim\u201c: \u201eI shop therefore I am.\u201c<\/span><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/static.wixstatic.com\/media\/c4a547_96f03969901b4eb28c20c8db0c6da137~mv2.jpg\/v1\/fill\/w_1480,h_1480,al_c,q_90,usm_0.66_1.00_0.01,enc_auto\/c4a547_96f03969901b4eb28c20c8db0c6da137~mv2.jpg\" \/><\/p>\n<p id=\"viewer-fa6rt\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">Wie wahr, wie wahr, schmunzle ich, und vergewissere mich mit einem Schulterblick des wahrhaft gro\u00dfartigen Kunstgenusses in diesem Supermarkt. Ein Black Label Spektakel mit 20 Kunststationen, die aufs Sch\u00f6nste zeigen, wie Kunst pr\u00e4gnant in den Alltag diffundieren kann. <\/span><\/p>\n<p id=\"viewer-3s7t0\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">Die Treppe hinaufrollend hinein ins Tageslicht der F\u00fcnf H\u00f6fe zieht es mich eigentlich direkt gegen\u00fcber ins Victorian Teahouse zum kurzen Innehalten und Nachklingen bei einer Tasse Gunpowder. Aber die Gyosas m\u00fcssen in den K\u00fchlschrank \u2013 der Alltag hat mich wieder.<\/span><\/p>\n<figure style=\"width: 646px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/static.wixstatic.com\/media\/c4a547_59ad5b4c30fa462f803914f3e5b6f9f5~mv2.png\/v1\/fill\/w_646,h_526,al_c,q_85,usm_0.66_1.00_0.01,enc_auto\/c4a547_59ad5b4c30fa462f803914f3e5b6f9f5~mv2.png\" alt=\"\" width=\"646\" height=\"526\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Husein Dugonijc (rechts), Marktmanager REWE Premium F\u00fcnf H\u00f6fe, mit J\u00f6rg Garbrecht vor Nata Togliattis &#8222;Apples d&#8217;oro&#8220;<\/figcaption><\/figure>\n<p id=\"viewer-2u58e\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">GROSSEN DANK<\/span><\/p>\n<p id=\"viewer-89abi\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">an die Kuratorin Nata Togliatti und die Veranstalter: Husein Dugonijc (REWE Premium F\u00fcnf H\u00f6fe), Alexander Ru\u00dfler (REWE Group), Dr. Sabine Adler, ERES-Stiftung Kunst + Wissenschaft \/ M\u00fcnchen, Professor Florian Matzner, Akademie der Bildenden K\u00fcnste \/ M\u00fcnchen und Sarah Haugeneder, Louis Vuitton Deutschland, <\/span><\/p>\n<p id=\"viewer-65c4h\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">sowie<\/span><\/p>\n<p id=\"viewer-7qmmj\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">alle K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler: <\/span><\/p>\n<p id=\"viewer-a0509\" class=\"mm8Nw _1j-51 roLFQS _1FoOD _3M0Fe Z63qyL roLFQS public-DraftStyleDefault-block-depth0 fixed-tab-size public-DraftStyleDefault-text-ltr\"><span class=\"_2PHJq public-DraftStyleDefault-ltr\">Tornike Abuladze, Thomas Bayrle, Natalyia Borushchak, Miriam Ferstl, Gregor Hildebrandt, Chistian Jankowski, Chris Knecht, Daniela &amp; Lara Koch, Peter Kogler, Schirin Kretschmann, Alicja Kwade, Peter Langenhahn, Jaemin Lee, Thomas Rentmeister, Michael Sailstorfer, Johanna Strobel, Milen Till, Nata Togliatti und Esther Zahel.<\/span><\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein erster kunstvoller Blick Gern schlendere ich durch die M\u00fcnchner F\u00fcnf H\u00f6fe, das elegante Stadtquartier von Herzog &amp; de Meuron. 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